Von der Magie der Lebensübergänge

Warum es sich lohnt, diese bewusst zu durchleben

Übergänge vom Alten ins Neue gehen einher mit einer größeren Unsicherheit. Das Alte ist überlebt, schenkt keine Freude mehr. Die Pfade sind ausgetreten und es fehlt uns an Motivation und Energie. Das Neue ist noch nicht greifbar, wenngleich wir dafür durchaus schon eine Ahnung verspüren. In solch einer Übergangszeit befinden wir uns derzeit alle, sowohl als Individuum, als auch als Kollektiv.

Bereits Einstein war der Meinung, dass die Probleme nicht mit den gleichen Methoden gelöst werden können, wodurch sie entstanden sind. Daher braucht es neue Methoden und Kompetenzen, ja sogar Instanzen, um eine Zukunft zu gestalten, in der wir wieder vermehrt unser Menschsein erfahren.

 

Zukunftsgestaltung gemäß dem weiblichen Prinzip

Wie kann die neue Art und Weise der Zukunftsgestaltung aussehen? Nun, zuerst einmal müssen wir aufdecken, wodurch die ganzen Probleme, die wir derzeit auf der Erde haben, entstanden sind. Bei genauerem Hinsehen, können wir erkennen, dass es daran liegt, dass ein großes Ungleichgewicht zwischen den männlichen und weiblichen Kräften dazu geführt hat. Das ausgehende Patriarchat hat in den letzten Jahrtausenden das männlichen Prinzip an erster Stelle gesetzt. „Man first!“, sozusagen. Das weibliche Prinzip wurde dem männlichen untergeordnet und damit wurde entgegen einer geistigen Gesetzmäßigkeit gehandelt, die besagt, dass sich das weibliche und das männliche Prinzip bedingen und daher gleichwertig sind. Aufgrund dieser Unterordnung waren die weiblichen Qualitäten weniger wert, ja, sie wurden sogar verteufelt. Und so hat sich der Mensch auf diese Weise den Zugang zu seinen weiblichen Kompetenzen mehr oder weniger versagt, ihnen nicht mehr vertraut und sie auch zu wenig mit einbezogen bei der Gestaltung des Zukünftigen.

Um die Zukunft mit neuen Methoden und Kompetenzen zu gestalten, braucht es die weiblichen Qualitäten, es braucht ein vermehrtes Sein, statt ein ständiges Werden. Und es braucht die Hingabe an das eigene Sein, um dem, was aus dem Inneren heraus entstehen will, zu lauschen. Und dafür gilt es sich Raum und Zeit zu nehmen. Hierin liegt die größte Herausforderung in dieser Zeit. Sie kommt noch weitaus gewichtiger daher, als die bekannten Herausforderungen in der äußeren Welt im Hinblick auf das Klima, das Finanz- und Wirtschaftssystem, die Politik und so fort.

 

Ich leiste, also bin ich

Im Rad der Leistungsgesellschaft groß geworden, fühlen sich viele Menschen nicht existenzberechtigt, wenn sie nicht leisten. So erlauben es sich viele nicht, innezuhalten. Zu schnell meldet sich ein innerer Sklaventreiber und erzeugt ein schlechtes Gewissen.Einfach sein, nichts tun, nichts wollen, das ist nicht produktiv, dem Anschein nach und daher auch nichts wert. Dem zu Grunde liegt ein Mangel an Vertrauen ins Leben. Viele haben ihn bereits im Bauch der Mutter und mit der Muttermilch aufgenommen und kennen es nicht anders. Es fehlt ihnen das Vertrauen ins Leben, das Vertrauen, dass sie trotzdem vom Leben getragen werden, wenn sie einfach sind, statt ständig zu tun und zu machen, um etwas zu  erreichen. Ohne die Erlaubnis zum Einfach-sein und kann das SEIN auch nie erfahren werden.  In meinem Blogbeitrag „Der weibliche Weg – Raus aus den alten Strukturen und Systemen“ habe ich ausführlich darüber geschrieben.

 

Rückwärts gerichtet vorwärtsgehen

In Zeiten des Übergangs führt das fehlende Vertrauen dazu, dass Menschen und auch Gruppen und Organisationen wieder rückwärts gehen und auf bis dahin bewährte Methoden noch stärker setzen. Es ist, als wollten sie ein totes Pferd reiten und versuchen nun, es mit noch größeren Sporen anzutreiben. Wir können das derzeit gut in der Politik beobachten. Auch in unserem persönlichen Leben gehen wir oftmals rückwärts, wenn die Angst vor dem Neuen, der Unwägbarkeit, zu groß ist. Dann bleiben wir lieber in der uns vertrauten Komfortzone, auch, wenn diese längst zu eng und unpassend geworden ist.

 

Das Erscheinungsbild der Dinge wechselt je nach Stimmungslage,
und so sehen wir Magie 
und Schönheit in den Dingen,
während Magie und Schönheit 
eigentlich in uns selbst sind.
Kahlil Gibran

 

Die Chance erkennen und ergreifen

In Zeiten größter Unsicherheit kommt das, was gut verräumt im Unterbewusstsein lagerte, an die Oberfläche. Plötzlich werden wir von Ängsten heimgesucht, die unseren inneren Himmel verdunkeln. Setzen wir dabei weiterhin auf altbewährten Strategien, wie verdrängen, ignorieren und wegargumentierend, weichen wir dem Neuen aus und verpassen die Chance.

Stattdessen folgen wir der Angst, statt der Freude unseres Herzens und verhindern damit unsere Weiterentwicklung. Es ist, als würden wir neuen Wein in alte Schläuche füllen und uns wundern, dass es am Ende nichts zu kosten gibt. Das Kostbare ging verloren. Die alten Schläuche waren schon brüchig und all das Neue, das uns zugeflossen, ging verloren. Wir selbst sind dabei noch kraftloser geworden und am Ende sind wir enttäuscht und fühlen uns vom Leben betrogen.

Erst wenn wir uns dem stellen, was das Neue zu verhindern sucht, gelingt der Sprung auf die neue Entwicklungsebene.

In solch einer Übergangszeit gilt es das mitgebrachte Gepäck abzustellen, eine  Bestandsaufnahme zu machen und sich ein paar wichtige Fragen zu stellen, bevor die Lebensreise weitergeht.

  • Was dient mir davon noch auf meiner weiteren Reise?
  • Was ist überlebt und schenkt keine Freude mehr?
  • Was erahne ich bereits hinsichtlich des Neuen?
  • Wie fühle ich mich, wenn ich meine Fühler in das Neue ausstrecke?
  • Was fordert mich heraus?
  • Welche Ängste zeigen sich?
  • Bin ich bereit mich ihnen zu stellen?

In den Zwischenzeiträumen, zwischen Ende und Anfang, liegen Licht und Schatten nah beieinander. Hier zeigen sich neben der Vorahnung für das Neue auch die alten Spieltreiber aus der Vergangenheit, die Ängste.

Jetzt gilt es eine beherzte Wahl für das Neue zu treffen und sich den Ängsten zu stellen und sie zu überwinden. So hat es schon Joseph Campbell  mit seiner Heldenreise beschrieben.

 

„Erst wenn wir uns dem stellen, was das Neue zu verhindern sucht,
gelingt der Sprung auf die neue Entwicklungsebene.“
Bianka Maria Seidl

 

 

Die Chance auf einen Quantensprung

Sobald wir uns des Potenzials dieser Lücke, dieses Zwischenzeitraums bewusst sind und wir die Chance auf unsere Weiterentwicklung ergreifen, ist ein Quantensprung möglich. Im Makrokosmos kommt dies wohl dem Flug durch ein Wurmloch gleich, wie wir das in Sciencefiction-Filmen oftmals sehen. Zuvor war das Raumschiff heftigen Turbulenzen ausgesetzt, wo es zu zerbersten drohte. Dann kam für eine Weile eine absolute Schwärze und Stille und dann befand es sich von einem Moment zum anderen in einen neuen Raum, einer anderen Dimension.

Durchleben wir als Individuum bewusst solch einen Zwischenzeitraum fühlen wir uns anschließend wie neugeboren. Wir haben den Dämon, die Angst, überwunden und fühlen uns nun freier und denken größer. Das, was vormals schwierig erschien, hat keine Bedeutung mehr.  Wir haben die Grenze unseres alten Lebenskreises überschritten und den Wächter, die Angst, überwunden. Jetzt sind wir frei und bereit die nächste Entwicklungsrunde auf der nächsthöheren Ebene zu durchleben – freier, authentischer und schöpferischer.

Als Kollektiv befinden wir uns derzeit in so einer Übergangsphase und in solch einem magischen und chancenreichen Zwischenzeitraum. In der Regel dauert dieser wesentlich länger, als bei einem Individuum. Schauen wir uns in der Gesellschaft ein wenig um, dann erkennen wir sehr leicht die Zunahme von Angst. Angst vor Terrorismus, Angst vor Fremden, Angst die Existenz zu verlieren, Angst, am Arbeitsplatz nicht mehr gebraucht zu werden. Zugleich gibt es auch Ausblicke auf die Zukunft, die verheißungsvoll sind und uns zuversichtlich stimmen können.

 

Alle Dinge, die wirklich wichtig sind
– Schönheit, Liebe, Kreativität, Freude, innerer Frieden –
kommen aus dem Bereich jenseits des Denkens.
Eckhart Tolle

 

Kleine Lücken schaffen im Alltag

Eine Gemeinschaft wird von vielen Individuen gebildet und daher kommt es in der jetzigen Übergangszeit vor allem auf die persönliche Weiterentwicklung des Individuums an.

Seine Wahl, seine Entscheidung für das Neue, für die Herausforderung wird zur Transformation der Gemeinschaft beitragen, so dass die Menschheit als Kollektiv diesen großen Entwicklungssprung machen wird, wenngleich auch nicht in der absehbaren Zeitspanne eines menschlichen Lebens.

Üben wir es in unserm Alltag im Kleinen. Schaffen wir Lücken, die wir nutzen, um einfach zu sein. Sei es zwischen zwei bewussten Atemzügen, sei es morgens vor dem Beginn des Tagesgeschäfts oder auch abends vor dem zu Bettgehen. Nehmen wir uns Zeit und Raum für uns selbst und gelangen wir so in eine neue Balance, in der das Menschsein wieder lebenswert ist. In meinem Beitrag „Sich selbst sein – Hingabe an das Selbst“ habe ich darüber ausführlicher geschrieben.

Die derzeitigen Trends wie Yoga, Meditation und Achtsamkeit stimmen zuversichtlich,  helfen sie doch dabei, vermehrt in die Gegenwart zu gelangen und  … wach und präsent im Hier und Jetzt unser DASEIN als Mensch zu genießen.

 

 

 

 

Photo by Johannes Plenio on Unsplash

3 Kommentare
  1. Jochen
    Jochen sagte:

    Liebe Bianka,
    danke für die Wahl dieses Themas: Die Übergänge im Leben. Hat es wirklich was mit “Magie” zu tun oder ist es eher eine Phase, die ich bewußt vorbereiten kann, so dass der Übergang geschehen kann? Dieses Übergangsgeschehen wird allerdings durchaus von Kräften getrieben, die außerhalb meiner Macht sind. Also doch magisch? Doch wer hat die Rolle des Magiers, wer die Rolle der Requisite und wer die Rolle des vewandelten Objektes und wer schaut zu? Womöglich ist dies gar nicht komplett zu trennen.
    Deine Einleitung ist mir etwas zu ausschweifend und lenkt mich eher vom Thema ab. Die Beschreibung, dass wir in einer “besonderen” Übergangszeit leben, finde ich überbewertet. Wahrscheinlich haben alle Menschen sich in einer Übergangszeit empfunden bzw fürchteten sich den Übergang geschehen zu lassen. Vielleicht hat dies mit der von dir beschriebenen Angst zu tun: Angst vor dem Übergang und lieber beim alten bleiben. Wie könnte mir meine Angst vor dem Übergang, dem Neuen, genommen werden? Zum einen das Wissen um das vorher und nachher des Übergangs und dann persönliche Erfahrung von Überrgangssituationen, die mir die Zuversicht geben, dass in der Übergangsphase, in der ich mich ausliefere, gute Kräfte am Werke sind und ich danach einen inspirierenden Schub für neues bekomme.
    Erst im letzten Abschnitt kommst Du darauf wie wir die Übergangsphase günstig vorbereiten konnen: Sich eine Auszeit im Zeitraum zu gönnen ist sicher ein gutes Element. Ich denke, dass ich noch mehr tun kann. Z.B. versuchen möglichst viele Dinge zu einem gewissen Abschluss zu bringen damit in der Auszeit mein Kopf nicht mit zu vielen unfertigen Projekten beschäftigt ist. Neben der Auszeit im Zeitraum kann ich mir zusätzlich Auszeiten in anderen Aspekten des Lebens gönnen. Wenn ich dies gleichzeitig tue kann die Wirkung noch starker sein. Z..B. Auszeit in Orten (z.b. Urlaubsort) Auszeit in Gefühlen ( suche nicht aktiv nach dem Kick , der Zerstreuumg oder dem “Glück”) sondern einfach versuchen zu sein – das ist sehr schwierig. Dann Auszeit in Beziehungen: Halte mal Abstand zu Menschen, deren Lebensweise dich ablenkt oder über Gebühr beansprucht. Auszeit in Kommunikation: Ich muss nicht dauernd reden. Ich kann auch einfach zuhören oder in der Stille sein.
    Es fallen mir noch mehr Aspekte ein….
    Jetzt bleibt ein großes Fragezeichen und vielleicht kannst Du dazu noch etwas schreiben. Was genau passiert während des Übergangs? Welche Schritte gehe ich aus eigener Kraft und in welchen Abschnitten werde ich durchgetragen – und von wem? Ist der Übergang zielgerichtet wie beim Sprung vom 3m-Brett (in etwa Vorhersehung) oder ist es das Chaos mit ungewissem Ausgang wie in ein wilden Traum bei dem ich zu einem zufälligen Zeitpunkt aufwache?

    Grüße von Jochen

    Antworten
  2. Susanne
    Susanne sagte:

    Liebe Bianka,
    Dein Blogbeitrag ist toll und trifft den Nagel auf den Kopf. Viele von uns, auch ich, befinden sich gerade in einer solchen Zwischensituation. Das Neue ist noch nicht recht erkennbar und das Alte überholt. Es gilt zu vertrauen ins Göttliche, sich zu focusieren und an sich selbst zu glauben. Auch hier bekomme ich selbst gerade wieder meine Aufgaben gestellt. Sei herzlich umarmt und bleibe Dir und Deinem Weg treu.
    Susanne

    Antworten
    • BiankaMariaSeidl
      BiankaMariaSeidl sagte:

      Liebe Susanne, vielen Dank für deinen wertschätzenden Kommentar zu meinem Beitrag. Es freut mich zu lesen, dass du das Geschriebene in deinem Leben derzeit auch so erfährst und du die Magie dieses Übergangs für dich und deinen Werdegang zu nutzen weißt. Danke auch für die Bekräftigung. Ja, ich bleibe mir selbst und meinem Weg treu. 🙂

      Antworten

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