“Sei die Wertschätzung, die du in der Welt sehen willst”

Der derzeitige Bewusstseinswandel erwirkt die Renaissance des weiblichen Prinzips und seiner Qualitäten und Werte auf der nächsten Ebene der Evolution. Darüber habe ich in meiner 3-teiligen Artikelserie „Die Renaissance der weiblichen Kraft“ ausführlich geschrieben.

Wenn wir uns wieder vermehrt nach Qualität statt Quantität (männliches Prinzip) ausrichten, entsteht dadurch ein neues Werte-Bewusstsein, das der Wertschätzung voraus geht. Denn erst wenn ich etwas einen Wert beimesse, kann ich diesen Wert auch schätzen.

Dem Wesen einen Wert beimessen

Einen Menschen wertschätze ich dann, wenn ich seinem Wesen einen Wert beimesse und zwar einfach für sein Sein. Das fällt schwer in einer Gesellschaft deren Werte überwiegend leistungsorientiert sind. Hier finden wir ausschließlich Anerkennung und Lob und daher verwechseln viele dies jetzt auch mit Wertschätzung.

Wertschätzung gründet auf einer inneren Haltung dem Leben gegenüber, das seinen Ausdruck in der Natur und in den Lebewesen findet. Der Mensch reiht sich hier ein – ob es im passt oder nicht. Daher beginnt Wertschätzung beim Leben selbst. Doch es braucht Zeit, bis diese alten, immer noch wirksamen Strukturen in der Gesellschaft sich wandeln.

Eine weitere Qualität des weiblichen Prinzips ist die Verbundenheit mit der Gemeinschaft, mit der Natur. Das Wesenhafte lässt sich nur sehr begrenzt rein kognitiv wahrnehmen. Vielmehr braucht es hier einen intuitiven Zugang, ein Hinspüren und Einfühlen.

3 Stufen im Bewusstwerdungsprozess

Die Qualität der Wertschätzung will erlernt werden in einem Bewusstwerdungsprozess, der in der Regel drei Stufen durchläuft. In der ersten Stufe geht es um das Verstehen, also die kognitive Ebene. In dieser Phase wird viel geschrieben und diskutiert über das Thema. So wie wir es gerade hier mittels dieser Blogparade tun.

In der zweiten Phase will das, was verstanden wurde, gefühlt werden, um ganzheitlich erfasst werden zu können. Es braucht hier ein Wahrnehmen auf der Gefühlsebene, um dem Wesen und damit verbunden dem Wesentlichen einen Wert beimessen und es wertschätzen zu können.

In der dritten und letzten Phase kann der Mensch dann das, was er versteht und auch fühlt, sein. Im Sinne von Mahatma Gandhi können wir sein Zitat „Du musst selbst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“ abwandeln in „Du musst selbst die Wertschätzung sein, die du in der Welt sehen willst“.

Selbstwert – Grundlage für Wertschätzung

Doch viele sind auch vom Verstehen wollen erstmals noch weit entfernt. Denn wer in seiner Kindheit für sein Wesen nicht geliebt und wertgeschätzt, stattdessen nur für Leistung gelobt und anerkannt wurde, dem mangelt es oftmals an einem gesunden Selbstwertgefühl und so verzieht sich dieser Mensch immer mehr in die Regionen seines Verstandes und erfährt hier die Welt rein kognitiv. In der Begegnung bewertet dann der Verstand das Augenscheinliche des Gegenübers, seine Leistungen, seine Kompetenz, seinen Status und verhindert dadurch ein echtes Anteilnehmen und Einlassen – eben eine Begegnung, die berührt und bereichert auf vielen Ebenen. Auf diese Weise wird das Wesen nicht wahrgenommen und somit auch nicht wertgeschätzt.

Wie oben schon erwähnt, beginnt Wertschätzung beim Leben, bei dem, was uns atmen und unser Herz schlagen lässt und dann bei uns selbst. Hierfür braucht es die Liebe zum Leben und zu sich selbst. Wir tun daher gut daran weniger auf die zu schauen, für die Wertschätzung noch eine Worthülse ist, die sie sich auf die Fahne schreiben, oder die sich gut in der Unternehmensbeschreibung macht, weil es gerade hipp ist.

Vielmehr sollten wir auf uns selbst schauen, darauf, dass wir fühlen, was wir bereits verstanden haben, damit wir es eines Tages auch wirklich sein können – damit wir dabei authentisch sind, wenn wir wertschätzend leben.

Wertschätzung – die neue krisensichere Währung

Bis es soweit ist, dass Wertschätzung auf kollektiver Ebene gelebt wird, werden noch einige Jahrzehnte vergehen. Dennoch sind wir auf dem richtigen Weg. Und dass dieser Begriff jetzt missbraucht wird, das sollte uns dennoch nicht davon abhalten unseren Weg unbeirrt weiter zu gehen und der Wertschätzung als neue, krisensichere Währung, zu einer festen Verankerung  im Bewusstsein der Gesellschaft zu verhelfen.

 

Dieser Artikel entstand als Beitrag zur Blogparade rund um die Thematik „Wertschätzung in der Wirtschaftswelt“ von  Martina Baehr im Jahr 2016.

8 Kommentare
  1. Heike
    Heike sagte:

    Ein schöner Artikel, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Wertschätzung ist für mich einer der Schlüssel zum Wohlbefinden. Ich denke kein Mensch kann glücklich leben, wenn sein Wert nicht in wenigstens einem Lebensbezug geschätzt wird; sei es im Job, in der Liebe und Freundschaft, ….
    Es ist gut sich das immer wieder bewußt zu machen. Einmal für einen selbst: “Wo fühle ich mich geschätzt und angenommen?” und für mein Gegenüber, “Wo gebe ich meinen Mitmenschen das Gefühl, dass ich sie wertschätze?”
    Danke für Deinen Beitrag
    und viele Grüße
    Heike

    Antworten
    • BiankaMariaSeidl
      BiankaMariaSeidl sagte:

      Liebe Heike,
      vielen Dank für deinen wertschätzenden Kommentar. Ja die Wertschätzung ist die Grundlage für Wertschöpfung. Doch oftmals ist es so, dass Menschen die Wertschätzung im Außen suchen, weil innerlich ein Mangel an Selbstwert da ist. In diesem Fall versucht der Mensch alles mögliche um Wertschätzung zu erlangen, doch am Ende beklagt er sich, weil es nicht gelingt. In Wahrheit geht es darum, dass wir uns selbst wertschätzen müssen, um diese Wertschätzung im Außen zu erhalten und auch um andere wertschätzen zu können. Es ist ein geistiges Gesetz, dass wir das, was wir haben wollen erst einmal geben müssen.
      Herzliche Grüße
      Bianka

      Antworten
  2. Kathrin Stamm
    Kathrin Stamm sagte:

    Liebe Bianca, du schreibst mir aus der Seele!
    Ja, es beginnt mit der Wertschätzung dessen was uns leben und atmen lässt,
    für uns selbst und dann wird es selbstverständlich für die Mitmenschen zu empfinden.
    Darüber, Wertschätzung als weibliche Qualität zu beschreiben, habe ich noch nicht nachgedacht.
    Danke für die wertvolle Anregung!
    Herzliche Grüße
    Kathrin

    Antworten
    • BiankaMariaSeidl
      BiankaMariaSeidl sagte:

      Liebe Kathrin,

      danke für deinen Kommentar. Es freut mich, dass ich dich mit meinen Worten berührt habe, bzw. deine Seele und
      dich zum Nachdenken hinsichtlich der weiblichen Qualität anstoßen konnte.
      Schönes Wochenende für dich.

      Antworten
  3. Martina Baehr
    Martina Baehr sagte:

    Liebe Bianka Maria Seidl,

    danke Ihnen für diesen wunderbaren Beitrag zur Blogparade. Die 3 Phasen sind wirklich sehr erhellend, um diesen Prozess ganzheitlich zu verstehen. Erst wenn wir auch unser Herz geöffnet haben und wahrnehmen was alles dazugehört, dann können wir wirklich wählen, was das beste für uns ist.

    Die 3 Phasen haben mich übrigens an die Theorie U von Otto Scharmer erinnert. Da geht es in der ersten Phase um die Öffnung des Denkens, in der zweiten Phase um die Öffnung des Fühlens/des Herzens und in der 3. Phase um die Öffnung des Willens.

    Herzlichen Dank für diese wunderbare Erinnerung. Das hat für mich jetzt noch mal einiges an Klarheit gebracht.

    Martina Baehr

    Antworten
    • BiankaMariaSeidl
      BiankaMariaSeidl sagte:

      Liebe Martina Baehr,

      vielen Dank für Ihren Kommentar zu meinem Beitrag. Den von Ihnen erwähnten Otto Scharmer kenne ich nicht. Ich teile auch nicht die Sicht, da für mich der Wille seinen Sitz im Herzen hat. Das Sein hingegen ist für mich die Übersteigerung der zwei vorhergehenden Phasen Denken und Fühlen. Ähnlich einer Tänzerin. Sie muss anfangs die Choreographie verstehen und dann die Schrittfolge etc. fühlen, und zuletzt verschmilzt die Tänzerin mit dem Tanz und ist sowohl Tänzerin und Tanz zugleich. Das ist damit gemeint. Übertragen auf die Wertschätzung heißt es dann wir sind Wertschätzung, wir sind wertschätzend und machen uns darüber gar keine Gedanken mehr und müssen auch nicht mehr darüber sprechen.

      Herzliche Grüße

      Antworten

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